Schurwolle-Bettdecke mit umgeschlagener Ecke und einem Büschel Schafwolle daneben

Schurwolle-Bettdecke: Vor- und Nachteile der Schafwolle-Bettdecke

Wolle ist die älteste Füllung für Bettdecken, die es gibt, und trotzdem kennen viele sie nur als kratzigen Pullover aus Kindertagen. Im Bett ist Schafwolle etwas ganz anderes: Sie liegt unter einer Hülle aus Baumwolle, kratzt also nicht, und sorgt für ein Schlafklima, das viele nach dem ersten Winter nicht mehr hergeben wollen. Gerade Menschen, die unter Daunen schwitzen und unter Kunstfaser frieren, landen oft bei Wolle.

In diesem Ratgeber erfährst du, was Schurwolle eigentlich ist, welche Vor- und Nachteile eine Schafwolle-Bettdecke hat, worauf du bei Tierwohl und Allergie achten solltest und wie du sie richtig pflegst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klima-Profi: Wolle nimmt viel Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen, und gleicht Temperaturen aus. Man schwitzt darunter selten.
  • Schurwolle heißt neu: Der Begriff steht für Wolle vom lebenden Schaf, die vorher noch nie zu einem Produkt verarbeitet wurde.
  • Größte Nachteile: schwerer als Daune, kaum heiß waschbar und nicht ideal bei Hausstauballergie oder Lanolin-Empfindlichkeit.
  • Tierwohl: Achte auf „mulesingfrei“ und Siegel wie kbT, besonders bei Merinowolle.

Was ist eine Wollbettdecke? Schurwolle, Schafschurwolle und Merino

Eine Wollbettdecke ist eine Steppdecke, deren Füllung ganz oder teilweise aus Wolle besteht, meist aus Schafwolle. Die Füllung liegt in einer Hülle aus Baumwolle, damit die Wolle nicht direkt auf der Haut liegt und sich nicht verschiebt. Im Handel heißt sie auch Wolldecke fürs Bett oder Schafwolle-Decke. Manche Hersteller mischen Schurwolle mit Lama oder Alpaka, etwa bei einer Bettdecke aus Lama und Schurwolle.

Was ist Schurwolle?

Schurwolle ist Wolle, die vom lebenden Schaf geschoren wurde. Nach der EU-Textilkennzeichnung darf ein Produkt nur „Schurwolle“ heißen, wenn die Wolle noch nie zuvor zu einem fertigen Erzeugnis verarbeitet wurde. Recycelte Wolle, auch Reißwolle genannt, darf also nicht so bezeichnet werden. Schafschurwolle meint dasselbe, nur mit dem Hinweis, dass die Wolle vom Schaf stammt. Eine Bettdecke aus reiner Schurwolle enthält also nur neue Schafwolle.

Was ist Merinowolle?

Merino ist eine Schafrasse mit besonders feiner, weicher Wolle. Eine Merino-Bettdecke ist leichter und weicher als eine Decke mit gröberer Landschafwolle, dafür teurer. Merinowolle stammt häufig aus Australien, Neuseeland oder Südafrika. Genau dort spielt das Thema Mulesing eine Rolle, dazu gleich mehr.

Wie sich Wolle neben Daune, Kamelhaar, Alpaka und Kunstfaser einordnet, zeigt der Ratgeber Bettdecke Füllung im Vergleich.

Schafwolle-Bettdecke: Eigenschaften und Vorteile

Die Eigenschaften von Schurwolle machen sie zu einer der klimatisch besten Füllungen:

  • Feuchtigkeitsaufnahme: Wolle kann einen großen Teil ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, oft wird bis zu einem Drittel genannt, ohne sich nass anzufühlen. Die Feuchtigkeit gibt sie beim Lüften wieder ab.
  • Temperaturausgleich: Die gekräuselte Faser speichert Luft. Im Winter wärmt die Decke, bei milderen Temperaturen staut sie weniger Wärme als viele Kunstfasern.
  • Kaum Schwitzen: Wegen des Feuchtigkeitsausgleichs wachen viele unter Wolle trockener auf als unter Polyester.
  • Selbstreinigend: Das natürliche Wollfett Lanolin macht die Faser schmutz- und geruchsabweisend. Regelmäßiges Lüften reicht oft statt Waschen.
  • Langlebig und nachhaltig: Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff und biologisch abbaubar.

Die Vorteile einer Bettdecke aus Schafschurwolle liegen also vor allem im Schlafklima. Wer nachts schwitzt, aber trotzdem eine warme Decke braucht, ist mit Wolle oft besser bedient als mit Daune oder Polyester.

Schurwolle-Bettdecke: Die Nachteile

Die Nachteile der Bettdecke aus Schurwolle solltest du vor dem Kauf kennen:

  • Gewicht: Eine Wollbettdecke ist bei gleicher Wärme deutlich schwerer als eine Daunendecke. Manche mögen das Gewicht, anderen ist die Decke zu schwer. Leichter ist zum Beispiel eine Daunen- oder Faserdecke als Bettdecke 135x200.
  • Kaum waschbar: Wolle verfilzt bei Hitze und Reibung. Viele Decken dürfen nur im Wollprogramm bei 30 °C gewaschen oder müssen gereinigt werden.
  • Hausstauballergie: Weil eine Decke aus Schafwolle nicht bei 60 °C gewaschen werden kann, lassen sich Milben nicht heiß abtöten.
  • Lanolin-Empfindlichkeit: Einige Menschen reagieren auf Wollfett.
  • Eigengeruch: Neue Wolldecken riechen oft leicht nach Schaf. Das verfliegt beim Lüften.
  • Motten: Als tierische Faser kann Wolle bei falscher Lagerung von Motten befallen werden.

Kratzt Schurwolle?

Im Pullover ja, in der Bettdecke kaum. Die Wolle liegt in der Decke unter einer dichten Hülle aus Baumwolle und berührt die Haut nicht. Kratzt Schurwolle trotzdem, liegt das meist an einer dünnen Hülle oder groben Fasern. Merinowolle ist deutlich feiner und gilt als besonders hautfreundlich.

Schafwolle, Allergie und Milben

Eine echte Wollallergie ist selten. Häufiger ist eine Lanolin-Allergie, also eine Reaktion auf das Wollfett, das vor allem bei ungewaschener, naturbelassener Wolle vorkommt. In Bettdecken wird die Wolle meist gewaschen, ein Rest Lanolin bleibt aber enthalten. Menschen mit bekannter Lanolin-Allergie greifen deshalb eher zu Alpaka, das kaum Wollfett enthält, oder zu Kunstfaser.

Bei Hausstaubmilben gilt: Eine Schafwolle-Bettdecke ist nicht milbenfrei. Das trockene Klima macht sie für Milben weniger attraktiv, aber weil sie nicht bei 60 °C gewaschen werden kann, ist sie für Hausstauballergiker nur mit einem milbendichten Encasing sinnvoll. Ich bin kein Arzt: Wenn du eine Allergie vermutest, lass das vorher ärztlich abklären. Worauf es bei Allergien wirklich ankommt, erklärt der Ratgeber zur Allergiker Bettdecke.

Illustration: Vor- und Nachteile einer Schurwolle-Bettdecke auf einen Blick

Tierwohl: Mulesing, kbT und Wollsiegel

Wer eine Bettdecke aus Wolle kauft, sollte auf die Herkunft achten. Das bekannteste Stichwort ist Mulesing.

Was ist Mulesing?

Mulesing ist eine umstrittene Praxis, die vor allem in Australien bei Merinoschafen angewendet wird. Dabei werden den Lämmern Hautfalten rund um den Schwanz weggeschnitten, oft ohne Betäubung, um Fliegenmadenbefall zu verhindern. Tierschützer kritisieren das Verfahren seit Jahren. In Neuseeland ist Mulesing inzwischen verboten.

Achte deshalb auf den Hinweis „mulesingfrei“. Wolle aus Europa stammt in der Regel ohnehin nicht von gemulesten Schafen. Weitere Orientierung geben Siegel:

  • kbT-Wolle: Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung, mit Vorgaben zu Haltung, Futter und Verzicht auf bestimmte Chemikalien.
  • Wollsiegel: Das bekannte Wollsiegel steht für reine Schurwolle, sagt aber wenig über das Tierwohl aus.
  • OEKO-TEX Standard 100: prüft die fertige Decke auf Schadstoffe.

Eine Bettdecke aus Bio-Schurwolle oder eine Wolle-Bettdecke in Bio-Qualität ist teurer, bietet aber die meiste Transparenz bei Haltung und Verarbeitung.

Wollbettdecke für Winter, Sommer oder das ganze Jahr

Die Wärme bestimmt das Füllgewicht. Diese Varianten gibt es:

  • Schurwolle-Bettdecke für den Winter: Mit hohem Füllgewicht eine der wärmsten Naturdecken. Die Winterdecke aus Schafschurwolle eignet sich für alle, die leicht frieren. Große Menschen wählen dafür eine Bettdecke 155x220.
  • Bettdecke aus Schurwolle für den Sommer: Eine leichte Variante mit wenig Füllung ist dank Feuchtigkeitsausgleich auch in warmen Nächten angenehm.
  • 4-Jahreszeiten-Bettdecke aus Schurwolle: Zwei Decken zum Zusammenknöpfen. Die 4-Jahreszeiten-Bettdecke mit Wolle ist besonders beliebt, weil Wolle Temperaturen ohnehin gut ausgleicht.

Wenn dir das Gewicht einer Bettdecke aus Schurwolle zu schwer ist, lohnt der Blick auf leichtere Füllungen. Daunen- und Faserdecken mit Wärmeklasse findest du bei unseren Bettdecken.

Wollbettdecke aus Schafwolle hängt zum Lüften über einem Holzgeländer im Freien

Schurwolle-Bettdecke waschen und pflegen

Kann man eine Bettdecke aus Schurwolle waschen? Das hängt vom Etikett ab. Beim Waschen von Schurwolle gilt die wichtigste Regel: keine Hitze, keine Reibung. So gehst du vor:

  1. Etikett prüfen: Viele Wollbettdecken dürfen nicht gewaschen werden. Dann nur lüften oder professionell reinigen lassen.
  2. Wollprogramm: Ist die Schafschurwolle-Bettdecke waschbar, dann im Wollprogramm bei maximal 30 °C, mit Wollwaschmittel und wenig Schleudern.
  3. Große Maschine: Die Decke braucht Platz, sonst verfilzt die Füllung.
  4. Trocknen: Liegend an der Luft trocknen, nicht in den Trockner und nicht auf die Heizung.

Im Alltag reicht es meist, die Wollbettdecke regelmäßig zu lüften, am besten an einem trockenen Tag im Schatten. Nutze immer einen Bettbezug, den du wöchentlich wäschst. Dann musst du die Decke selbst nur selten waschen. Wie du Bettdecken allgemein richtig wäschst, erklärt der Ratgeber zu Bettdecke waschen.

Die richtige Größe für deine Wollbettdecke

Bettdecken aus Wolle gibt es in allen gängigen Größen:

  • Schurwolle-Bettdecke 135x200: die Standardgröße fürs Einzelbett. Ob aus Schafschurwolle, Wolle-Mischung oder als Merino-Bettdecke: In 135x200 ist die Auswahl am größten.
  • Schurwolle-Bettdecke 155x220: für große Menschen. Diese Größe gibt es aus Schafschurwolle, als Merino-Variante oder als 4-Jahreszeiten-Decke aus Wolle.
  • Schurwolle-Bettdecke 200x220: die gemeinsame Decke für Paare. Wegen des Gewichts ist eine große Wolldecke fürs Bett allerdings schwer zu handhaben.

Schafwolle oder Daune, Alpaka, Kunstfaser?

Füllung

Wärme

Gewicht

Feuchtigkeit

Waschen

Schurwolle

hoch

schwer

sehr gut

Wollprogramm oder Reinigung

Merino

mittel bis hoch

mittel

sehr gut

Wollprogramm oder Reinigung

Alpaka

hoch

leicht bis mittel

sehr gut

meist Reinigung

Daune

sehr hoch

sehr leicht

gut

40–60 °C

Kunstfaser

leicht bis hoch

leicht

gering

60–95 °C

Kurz gesagt: Wolle für das beste Schlafklima, Daune für Leichtigkeit, Kunstfaser für die Pflege. Wer zu zweit unter einer Decke schläft und das Gewicht einer Wolldecke scheut, findet die gemeinsame Größe als Bettdecke 200x200 auch mit leichter Faserfüllung.

Fazit: Wolle für trockenes, warmes Schlafklima

Eine Schurwolle-Bettdecke ist die richtige Wahl, wenn du ein trockenes, ausgeglichenes Schlafklima suchst und unter Daunen oder Kunstfaser schwitzt. Schafwolle nimmt viel Feuchtigkeit auf, reinigt sich durch Lüften weitgehend selbst und ist ein nachwachsender Rohstoff. Dem stehen ein höheres Gewicht, eine eingeschränkte Waschbarkeit und Nachteile bei Hausstaub- oder Lanolin-Allergie gegenüber. Achte beim Kauf auf reine Schurwolle, das passende Füllgewicht und auf Tierwohl, also mulesingfreie Wolle oder kbT-Qualität.

Häufige Fragen zur Schurwolle-Bettdecke

Was ist Schurwolle?
Wolle, die vom lebenden Schaf geschoren und noch nie zuvor zu einem Produkt verarbeitet wurde. Recycelte Wolle darf nicht als Schurwolle bezeichnet werden.

Welche Vorteile hat eine Schafwolle-Bettdecke?
Sie nimmt viel Feuchtigkeit auf, gleicht Temperaturen aus, ist geruchsabweisend und ein nachwachsender Rohstoff. Man schwitzt darunter meist wenig.

Welche Nachteile hat eine Bettdecke aus Schurwolle?
Sie ist schwerer als eine Daunendecke, kaum heiß waschbar und für Hausstauballergiker nur mit Encasing geeignet. Manche reagieren auf Lanolin.

Kann man eine Wollbettdecke waschen?
Nur wenn das Etikett es erlaubt, dann im Wollprogramm bei maximal 30 °C mit wenig Schleudern. Oft reicht regelmäßiges Lüften.

Kratzt eine Schurwolle-Bettdecke?
Kaum, weil die Wolle unter einer Baumwollhülle liegt. Merinowolle ist zusätzlich besonders fein und weich.

Ist eine Schafwolle-Bettdecke für Allergiker geeignet?
Bei Hausstauballergie nur mit milbendichtem Encasing, bei Lanolin-Allergie eher nicht. Im Zweifel ärztlich abklären.

Was ist Mulesing?
Eine umstrittene Praxis bei Merinoschafen, vor allem in Australien, bei der Hautfalten am Schwanz entfernt werden. Achte auf Wolle, die mulesing-frei ist.

Was bedeutet kbT-Wolle?
Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung, mit Vorgaben zu Haltung, Futter und Chemikalien.

Ist eine Wollbettdecke auch im Sommer angenehm?
Als leichte Variante mit wenig Füllgewicht ja. Wolle gleicht Temperaturen aus, eine dicke Winterdecke ist im Sommer aber zu warm.

Was ist besser: Schafwolle oder Daune?
Daune ist leichter und wärmer pro Gramm, Schafwolle bietet das trockenere Schlafklima. Wer schnell schwitzt, ist mit Wolle oft besser beraten.

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Daniel Schulz
Daniel

Gründer und Experte für Bettwaren & Badtextilien

Daniel beschäftigt sich seit acht Jahren mit Bettwäsche, Spannbettlaken, Bettdecken, Kopfkissen, Handtüchern und Badvorlegern in Hotelqualität – durch die Betreuung von über 80.000 Gästen in Premium Serviced Apartments über sein Unternehmen residir. Dieses Praxiswissen fließt in jede Produktauswahl bei Bästa ein. Mehr über Daniel →